auxmoney – Die deutsche Peer to Peer-Lending-Plattform vermittelt Kredite wo Banken längst abwinken

Ein neues Auto, neue Möbel, der Umzug steht vor der Tür oder sollte das Konto dringend wieder ausgeglichen werden? Will der Wunsch nach einer Existenzgründung nicht mehr aus dem Kopf verschwinden? Oder sorgt die Frage, wie die Ausbildung finanziert werden soll, für schlaflose Nächte? Gute Gründe um sich Geld zu leihen gibt es viele, den richtigen Kredit zu finden oder gar überhaupt einen zu bekommen ist dafür umso schwerer. An dieser Stelle kommt das Unternehmen auxmoney ins Spiel – es vermittelt online Kredite und unterstützt bei der Finanzierung von Projekten. Die Besonderheit des Geschäftsmodells liegt in der Art des Kreditgebers, denn auxmoney bringt private Kreditnehmer und private Anleger zusammen. Kurz gesagt – ein Peer to Peer-Geschäftsmodell. In Zusammenarbeit mit der SWK-Bank übernimmt das Unternehmen die Kreditabwicklung.

auxmoney Team

auxmoney Team

Gründer: Philip Kamp, Philipp Kriependorf & Raffael JohnenBildquelle: startup-city.de

2007 haben drei Freunde das Start-up auxmoney gegründet. Ihre Mission: das Leihen von Geld zu revolutionieren und die Digitalisierung der Finanzwirtschaft anzutreiben. Mittlerweile arbeiten 120 Menschen bei auxmoney und nahezu 60.000 Projekte wurden bereits finanziert. 10 Jahre später ist Gründer und New Business Development-Manger Philip Kamp nun zu Gast im Insurance Innovation Lab, um seinen ‚Beitrag‘ zur deutschen Sharing Economy im Rahmen der dritten Werkstattwoche vorzustellen und gemeinsam mit den Teilnehmern zum Thema Peer to Peer zu diskutieren.

Das auxmoney-Modell

„Den Begriff ‚FinTech‘ gab es 2006/2007 noch nicht“, beginnt Philip Kamp. „Und alle sagten uns, es sei unmöglich.“ Dass es doch möglich ist, wird im Laufe des Start-up Pitchs deutlich. Die Crowdlending-Plattform auxmoney bringt Kreditsuchende und Kreditgeber zusammen. Über eine Online-Anfrage können Kreditnehmende kostenlos erfahren, ob ihr Kredit finanziert werden kann. Im nächsten Schritt wird das Projekt auf der Plattform der Crowd präsentiert und nach Investoren gesucht. Sobald die erste Prüfung der Kreditwürdigkeit überstanden ist, verläuft der Prozess einfach, unkompliziert und vor allem: online. Auch private Anleger können vom neuen Finanzierungsmodell profitieren. Anders als beim Festgeld oder Tagesgeld erhalten sie für ihre Geldanlage überdurchschnittlich hohe Zinsen. Im Durchschnitt erhalten die Kreditgeber eine Rendite von 5,5 Prozent. Ein Kredit kann eine Laufzeit bis zu 60 Monaten haben.

auxmoney stellt mit seinem Konzept den Menschen in den Vordergrund. Um einen Kredit zu bekommen spielt es keine Rolle, ob eine Bank den Kredit gewähren würde – die Entscheider sind die Peers. So entstehen unzählige Möglichkeiten der Finanzierung, sowohl für Kreditnehmer als auch für Anleger. Das Unternehmen richtet sich damit an eine breite Zielgruppe. Von Studierenden über Selbstständige bis hin zu Pensionären, von jung bis alt und von einer schlechten Bonität bis hin zu hohem Einkommen, wird nahezu die gesamte Bevölkerung in Deutschland angesprochen. „Ein Kreditzugang ist gesellschaftlich wichtig, so werden von Banken ausgeschlossene Gesellschaften wieder inkludiert – die Demokratisierung des Banken- und Finanzsystems.“ Der typische auxmoney-Kunde ist laut Philip Kamp 18 bis 45 Jahre alt und männlich.

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Kreditnehmer stellen online ihre Kreditanfrage und suchen anschließend über die Plattform nach Kreditgebern.

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Auch Anleger registrieren sich online und können bereits ab 25 Euro investieren. (Bildquellen: auxmoney)

Eine grüne Wiese im Markt

FinTechs erobern seit einigen Jahren neue Märkte. Großes Potential wurde für sie im Zuge der Finanzkrise geschaffen, in Zeiten, in denen das Vertrauen in Banken nachhaltig geschädigt wurde. Auxmoney trat neu in den Markt ein und präsentierte sich als Alternative.  „Die Warengruppe bleibt bei Peer to Peer-Ansätzen gleich, nur der Kontakt zum Kunden ändert sich, der Kundenkontakt wird sozusagen geklaut“, erklärt Philip Kamp. „Menschen wollen Kredite nur dort nehmen und anlegen, wo Vertrauen herrscht.“ Und dieser Aspekt ist einer der Gründe für das Erfolgskonzept von auxmoney. Es stellt eine Ergänzung zu herkömmlichen Banken dar und ermöglicht nach eigenen Angaben etwa 4,3 Millionen Menschen den Zugang zu Krediten, die über das traditionelle System keinen hatten. „Wir haben eine grüne Wiese im Markt gefunden.“

Der Kundenstamm von auxmoney auf der Seite der Kreditgeber setzt sich derzeit aus circa 70.000 privaten (ca. 40%) und zusätzlich institutionellen Anlegern (ca. 60%), wie ausländische Banken oder vermögende Familien-Offices, zusammen. Da die Summe privater Anleger nicht so schnell wächst wie Institutionen, beobachtet auxmoney eine steigende Entwicklung der institutionellen Seite. Vorrang behalten dennoch die privaten Anleger, denn das ist „unser Naturell und unsere Grundidee“, so Philip Kamp. Mittlerweile kann das Unternehmen von über 50 Prozent Markenbekanntheit bei der Zielgruppe und 40 Prozent Bestandskunden sprechen.

Der Nutzen von Big Data für Peer to Peer Modelle

Ab einem Betrag von 25 Euro kann ein Anleger investieren. Er wird von auxmoney keiner Prüfung unterzogen. Im Falle der Kreditsuchenden, welche etwa zur Hälfte aus Selbstständigen bestehen, verhält es sich anders. Zu Beginn wurde bei auxmoney jeder Kreditnehmer angenommen. „Jeder erhielt die Chance, sich der Crowd mit seinen Plänen zu präsentieren“, berichtet Philip Kamp. Im Laufe der Zeit zeigte sich jedoch, dass eine Risikominimierung zur Absicherung und zur Verringerung der Anzahl der Ausfälle relevant wurde. Daraufhin entwickelte auxmoney ein eigenes Scoring, dass mit Hilfe von Big Data Erstaunliches leistete. Aus 2.000 existierenden Datenpunkten wurden 300 in das ‚homemade‘ Scoring-System übernommen. Das Scoring-System berücksichtigt beispielsweise Erfahrungswerte zum Habitus der Crowd und berücksichtigt damit auch die Besonderheiten des Kulturkreises.

„P2P funktioniert perfekt, wenn es alle machen, wenn nicht entsteht jedoch ein Reibungsverlust und diesen fängt das Scoring auf und schafft Sicherheit für die Anleger.“ Philip Kamp zeigt auf, welchen Nutzen die Analyse von Verhaltensdaten bringen kann. „Big Data bietet einen großen Vorteil für die Kundenansprache, je nach Informationsgehalt der Daten wird eine gezielte und spezifische Ansprache möglich. Daten sind ein Abfallprodukt, das für viele Aspekte eine Zweitverwendung finden kann.“ Um zu erfahren, welcher Kunden auf was wie reagiert, sei es jedoch zentral, frühzeitig mit dem Messen der Daten und dem Vergleich von Roh- und Kundendaten zu beginnen. Auch für die Versicherung bietet sich mittels Big Data beispielsweise Potential für Cross-Selling oder auch die Optimierung von bestehenden Versicherungsprodukten und darüber hinaus die Adaption auf die Produktentwicklung.

Marketing für Peer to Peer-Modelle: Das Gleichgewicht halten

Gegenüber den Teilnehmern der Werkstattwoche betonte Philip Kamp abschließend vor allem auch die Relevanz und Problemstellung des Marketings in Peer to Peer-Ansätzen. Im Gegensatz zu traditionellen Geschäftsmodellen werden zwei konträre Zielgruppen angesprochen. Auf der einen Seite beispielsweise die Personen, die bei Airbnb eine Wohnung suchen und auf der anderen Seite diejenigen, die ihre Wohnung vermieten wollen. Die subjektiven Bedürfnisse und Handlungsmotive sind demnach meist völlig gegensätzlich – und treffen gerade deshalb aufeinander. Im Fall von auxmoney stehen sich ‚Geld leihen‘ und ‚Geld (über Zinsen) verdienen‘ gegenüber. Für die Plattform entsteht die Schwierigkeit, beide Gruppen gleichermaßen anzusprechen. Das bedeutet, dass zwei verschiedene Kommunikationsstrategien und Werbemaßnahmen entwickelt werden müssen. Es bedeutet aber auch, den Erfolg des Marketing permanent im Auge zu behalten, damit die Waage zwischen den beiden Zielgruppen gehalten werden kann und kein Ungleichgewicht entsteht. Das wäre beispielweise der Fall, wenn sehr viele Kreditsuchende, aber gleichzeitig eine zu geringe Anzahl an Anlegern auf die Plattform strömen.

Unser Fazit zum Start-up Pitch von auxmoney: ein Best Practice Beispiel für ein Peer to Peer-Modell und dafür, wie sich ein Unternehmen entwickeln kann, wenn es offen gegenüber neuen Faktoren und Einflüssen ist. Oder in den Worten von Philip Kamp: „Auch nach 10 Jahren befinden wir uns noch in einer Testphase und sind offen, neue Sachen auszuprobieren – das macht es immer wieder spannend.“