Ein Tablett liegt auf einem Tisch. Darauf steht Create Change.

17.9.2026

Loslassen als Transformationskompetenz

Warum alte Routinen den Wandel ausbremsen

Change Management

Transformation

Führung

Neue Strategien werden entwickelt, digitale Tools eingeführt, Strukturen verändert. Und trotzdem kommen viele Organisationen im Alltag kaum voran. Denn gewohnte Denk- und Verhaltensmuster bleiben bestehen: Meetings laufen weiter wie bisher, Entscheidungen werden nach alten Regeln getroffen und Aufgaben bleiben bestehen, obwohl sie längst keinen echten Mehrwert mehr bieten.

Transformation scheitert deshalb nicht immer am fehlenden Willen zur Veränderung, sondern weil wir versuchen, das Neue auf dem Fundament alter Routinen aufzubauen.

Was müssen wir loslassen?

Wenn von Transformation die Rede ist, fragen wir meist: Was müssen wir verändern? Welche neuen Prozesse, Kompetenzen und Technologien brauchen wir?

Eine ebenso wichtige Frage lautet: Was müssen wir loslassen? Denn Veränderung bedeutet immer auch, dass etwas nicht mehr so bleiben kann wie bisher. Neue Strategien können andere Entscheidungswege erfordern. Agile Zusammenarbeit kann bedeuten, Kontrolle abzugeben. Digitalisierung kann Aufgaben verändern, die bisher selbstverständlich zum eigenen Verantwortungsbereich gehörten. Transformation ist deshalb nicht nur ein Prozess des Hinzufügens, sondern auch des Weglassens.

Routinen sind dabei nicht grundsätzlich schlecht. Sie geben Orientierung, sparen Zeit und machen uns handlungsfähig. Problematisch werden sie, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, die Routine aber bestehen bleibt. Besonders hartnäckig sind Routinen, wenn wir sie gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Ein Meeting findet statt, weil es schon immer stattfindet. Ein Bericht wird erstellt, weil er seit Jahren erstellt wird. Entscheidungen landen automatisch bei der Führungskraft.

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb: Wenn wir diesen Prozess, dieses Meeting oder diese Entscheidung heute neu erfinden würden, würden wir es genauso machen?

 

Loslassen schafft Raum

Wer Neues einführt, ohne gleichzeitig etwas wegzulassen, erhöht schnell die Komplexität. Neue Aufgaben kommen hinzu, alte verschwinden nicht. Aus Veränderung wird zusätzliche Belastung. Nachhaltige Transformation braucht deshalb neben einer Startliste auch eine Stoppliste.

Welche Prozesse, Meetings oder Verhaltensweisen werden nicht mehr gebraucht? Welche Freigaben können entfallen? Was halten wir nur fest, weil es uns vertraut ist?

Dabei geht es nicht darum, Bewährtes abzuwerten. Es geht um die bewusste Entscheidung, was auch unter neuen Bedingungen noch sinnvoll ist.

Loslassen kann allerdings emotional sein. Routinen sind manchmal mit Kompetenz, Sicherheit, Status oder beruflicher Identität verbunden. Deshalb reicht es nicht zu erklären, warum etwas nicht mehr funktioniert. Menschen brauchen auch eine Vorstellung davon, wofür das Loslassen Raum schafft.

 

Führung muss Loslassen vorleben

Gerade Führungskräfte sind hier gefordert. Wer Eigenverantwortung voraussetzt und gleichzeitig jede Entscheidung kontrolliert, verhindert Veränderung. Wer Innovation erwartet und Fehler nicht zulässt, sendet widersprüchliche Signale.

Mitarbeitende orientieren sich nicht nur an dem, was gesagt wird, sondern an dem, was tatsächlich gelebt wird. Loslassen ist deshalb eine zentrale Transformationskompetenz. Es bedeutet, Routinen regelmäßig zu hinterfragen, Verantwortung neu zu denken und Raum für Neues zu schaffen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Was wollen wir in Zukunft anders machen?“, sondern ebenso „Was sind wir bereit loszulassen, damit diese Zukunft entstehen kann?“

Christine

Senior Manager Corporate Communications

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